LGBT+ Pride Report 2026

Queeres Leben in Deutschland und der Welt zwischen Akzeptanz und Abwehr
Berlin – Jedes Jahr im Juni wird der Pride Month gefeiert, um auf die Rechte queerer Menschen aufmerksam zu machen und mehr Toleranz in der Gesellschaft zu fördern. Aus diesem Anlass hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos in einer Studie in 26 Ländern die Einstellungen der Menschen zur LGBTQIA+-Community untersucht.
Schutz, Gesetze und Ehe für alle
Der Studie zufolge befürworten 74 Prozent der Befragten in Deutschland den Schutz von queeren Menschen vor Benachteiligungen am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und beim Zugang zu Dienstleistungen. Entsprechende Gesetze zum Verbot von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität unterstützen 45 Prozent. Beide Zustimmungswerte sind im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozentpunkte gesunken. Die Ehe für alle wird von 70 Prozent der Deutschen unterstützt (-1 Prozentpunkt gegenüber 2025). 9 Prozent lehnen die Ehe für alle zwar ab, sprechen sich aber für eine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften aus, während 8 Prozent jede Form der rechtlichen Legitimierung ablehnen.
Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz
44 Prozent der Befragten in Deutschland halten es für richtig, dass queere Menschen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität leben (-2 Prozentpunkte gegenüber 2025). Öffentliche Zuneigungsbekundungen unterstützen 41 Prozent (-3 Prozentpunkte gegenüber 2025). Eine stärkere Repräsentation in Film, Fernsehen und Werbung befürworten 30 Prozent (-1 Prozentpunkt gegenüber 2025). Der Rückhalt für offen queere Athlet*innen in Sportmannschaften liegt bei 45 Prozent (-5 Prozentpunkte). 40 Prozent sind der Meinung, dass sich Unternehmen oder Marken aktiv für Gleichberechtigung queerer Menschen einsetzen sollten (-3 Prozentpunkte).
Internationale Einordnung
Deutschland liegt bei der Frage nach offen gelebter sexueller Orientierung mit 44 Prozent im internationalen Vergleich hinter Irland (59 %), den USA (49 %) und Polen (45 %).
Trans*-Themen
72 Prozent der befragten in Deutschland sprechen sich gegen die Benachteiligung von trans* Personen am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und beim Zugang zu Dienstleistungen aus (-3 Prozentpunkte). Nur 48 Prozent (-4 Prozentpunkte gegenüber 2025) befürworten eine dritte Option in amtlichen Dokumenten wie Reisepässen neben „männlich“ und „weiblich“, während 40 Prozent diese ablehnen. Auch die Zustimmung zum Zugang zu öffentlichen Toiletten und Umkleiden entsprechend dem selbst identifizierten Geschlecht nimmt weiter ab. Die Übernahme der Kosten für geschlechtsangleichender Behandlungen durch die Krankenversicherung unterstützen 39 Prozent (-10 Prozentpunkte), während 48 Prozent dagegen sind. Dass trans* Athlet*innen im selbst definierten Geschlecht antreten dürfen, unterstützen 22 Prozent (-3 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr, -10 Prozentpunkte seit 2021).
Globale Entwicklung
Weltweit sagen 49 Prozent, dass queere Menschen offen leben sollten (-6 Prozentpunkte seit 2021).
66 Prozent befürworten weltweit die Ehe oder rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare (-8 Prozentpunkte seit 2021). Die Unterstützung für queerfreundliche Marken liegt global bei 42 Prozent (-7 Prozentpunkte seit 2021). Programme von Arbeitgebern zur Unterstützung queerer Mitarbeitender erreichen 39 Prozent (+1 Prozentpunkt gegenüber 2025).
Methodik der Studie
Die Ergebnisse stammen aus dem „Ipsos LGBT+ Pride Report 2026“, der über die Online-Plattform Global Advisor in 26 Ländern durchgeführt wurde. Zu den 26 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA. Zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026 wurden weltweit insgesamt 19.019 wahlberechtigte Personen befragt. In Deutschland umfasste die Stichprobe rund 1.000 Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren.
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