Digitalisierung im Gesundheitswesen

Elektronischen Patientenakte (ePA): Hohe Bekanntheit trifft auf Vorbehalte
Die Studie der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) untersucht, wie gesetzlich Versicherte die elektronische Patientenakte wahrnehmen und welche Rolle Datenschutz, Selbstbestimmung und Vertrauen für die Akzeptanz spielen.
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein zentraler Baustein der Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems. Obwohl 95 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten die ePA kennen, nutzen bislang nur 12 Prozent sie aktiv über eine App.
Breite Verankerung der ePA im öffentlichen Bewusstsein
Die Studie zeigt, dass die ePA im öffentlichen Bewusstsein fest verankert ist. 95 Prozent der Befragten kennen die ePA zumindest dem Namen nach, lediglich 5 Prozent haben noch nie von ihr gehört. Die Bekanntheit ist über alle Altersgruppen hinweg hoch: 92 Prozent bei den 18- bis 39-Jährigen, 97 Prozent bei den 40- bis 59-Jährigen und 95 Prozent bei den über 60-Jährigen. Auch nach Geschlecht und Bildungsgrad zeigen sich kaum Unterschiede: 95 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer sowie 94 Prozent der Personen ohne Abitur und 95 Prozent mit Fachabitur oder Abitur kennen die ePA.
Nutzungsstrukturen zwischen aktiver und passiver Nutzung
Trotz der hohen Bekanntheit nutzen lediglich 12 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten die ePA aktiv, also haben die App eingerichtet, ihre Identität bestätigt und die Akte geöffnet. 79 Prozent zählen zu den passiven Nutzenden, d. h. sie haben die Akte zwar eingerichtet, verwalten sie aber nicht aktiv. 7 Prozent haben der Einrichtung widersprochen. Die aktive Nutzung ist bei den 18- bis 39-Jährigen mit 17 Prozent am höchsten, liegt bei den 40- bis 59-Jährigen bei 9 Prozent und bei den über 60-Jährigen bei 12 Prozent. Männer nutzen die ePA mit 14 Prozent etwas häufiger als Frauen mit 11 Prozent. Bei Personen mit Abitur liegt die aktive Nutzung bei 14 Prozent, ohne Abitur bei 11 Prozent.
Entwicklungsperspektiven und geplante Nutzung
45 Prozent der Befragten geben an, die ePA wahrscheinlich in den nächsten sechs Monaten aktiv zu nutzen. 40 Prozent werden nach eigenen Angaben voraussichtlich passive Nutzende bleiben, während der Anteil derjenigen, die die ePA wahrscheinlich nicht nutzen werden von 7 auf 11 Prozent steigen könnte. Besonders hoch ist die geplante aktive Nutzung bei den 18- bis 39-Jährigen (51 %), gefolgt von den 40- bis 59-Jährigen (44 Prozent) und den über 60-Jährigen (41 %). Unter Personen mit Abitur planen 53 Prozent eine aktive Nutzung, bei Personen ohne Abitur sind es 41 Prozent.
Ursachen für Widersprüche gegen die Anlage der EPA und Zugriffsrechte
Die 7 Prozent derjenigen, der der Anlage der ePA generell widersprechenbegründen ihre Entscheidung in erster Linie mit Datenschutz-, Datensicherheits- und Vertrauensbedenken (55 %). 35 Prozent befürchten Zugriffe durch Personen außerhalb des medizinischen Bereichs, 10 Prozent sehen keinen Bedarf für eine solche ePA.
70 Prozent würden ihre pseudonymisierten Gesundheitsdaten für wissenschaftliche Forschung bereitstellen, 29 Prozent lehnen dies ab. 69 Prozent würden allen behandelnden Ärzt*innen Zugriff auf ihre Unterlagen gewähren, 30 Prozent nur ausgewählten. 81 Prozent wünschen sich einen digitalen Medikamentenplan.
Hohe Zustimmung zu digitalen Zusatzfunktionen
93 Prozent befürworten eine leicht verständliche Darstellung medizinischer Dokumente und Behandlungsergebnisse. Ein digitaler Impfpass wird von 88 Prozent, ein digitales Zahnbonusheft von 87 Prozent positiv bewertet. 83 Prozent wünschen sich umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten für individuelle Zugriffsrechte. Die automatische Auswertung von Gesundheitsdaten zur Früherkennung möglicher Erkrankungen unterstützen 71 Prozent, während 26 Prozent ablehnen.
Wissen über Regelungen und Informationsverhalten
88 Prozent wissen, dass Arbeitgeber keinen Zugriff auf die Patientenakte haben. 60 Prozent ist bekannt, dass eine ePA nicht verpflichtend ist. 43 Prozent sind der Meinung, dass die Akte erst nach ihrer Registrierung und App-Nutzung entstehe. 45 Prozent ist bekannt, dass sie automatisch angelegt wird. Dass Dokumente selbst gelöscht werden können, ist 36 Prozent der Befragten bekannt. Das Informationsschreiben der Krankenkassen haben 70 Prozent ganz oder teilweise gelesen, 15 Prozent gar nicht und 11 Prozent nach eigener Aussage nicht erhalten.
Methodik
Die Ergebnisse basieren auf einer telefonischen Befragung der INFO GmbH im Auftrag der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Zwischen dem 4. und 18. November 2025 wurden 1.666 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren telefonisch befragt, darunter 1.500 gesetzlich Krankenversicherte. Die Stichprobe wurde im Dual-Frame-Verfahren (Festnetz (49 %) und Mobilfunk (51 %)) erhoben und nach Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltsgröße und Bundesland repräsentativ der Bevölkerung ab 18 Jahren gewichtet.
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