Tiefstand der Zufriedenheit bei der Gesundheitsversorgung

Mehrheit blickt skeptisch auf die Zukunft
Der DAK-Gesundheitsmonitor 2026 zeigt einen historischen Tiefstand bei der Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem.
Vertrauensverlust in Versorgung und Politik
Die Bewertung der Gesundheitsversorgung bricht ein, so der DAK-Gesundheitsmonitor: Aktuell beurteilen 62 Prozent der Befragten die Versorgung positiv, während dieser Wert zwischen 2012 und 2022 noch konstant bei über 80 Prozent lag und sich der Anteil kritischer Stimmen seit 2020 von 11 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht hat. Zudem nimmt die Kritik an der Gesundheitspolitik nach jahrelangem Rückgang wieder steil zu und nähert sich dem Höchststand von 2004, als 73 Prozent die Politik kritisch sahen. Ein Drittel der Bevölkerung (35 %) berichtet von verschlechterten persönlichen Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung in den letzten zwei, drei Jahren, während zugleich das uneingeschränkte Vertrauen in die Krankenhäuser von 43 Prozent im Jahr 2022 auf aktuell 33 Prozent gesunken ist.
Wartezeiten und Ärztemangel belasten den Alltag
Im Alltag erleben Patient*innen konkrete Engpässe. 72 Prozent berichten von langen Wartezeiten auf Termine, 50 Prozent von nicht verfügbaren Medikamenten, 41 Prozent von Problemen bei der Ärztinnensuche und 40 Prozent von Beitragserhöhungen. Der Anteil der Bevölkerung, der in den letzten ein, zwei Jahren mehrmals sehr lange auf einen Arzttermin warten musste, hat sich in den vergangenen 10 Jahren von 32 auf 47 Prozent erhöht. Der Anteil der Bevölkerung, die in der eigenen Region einen Ärztemangel wahrnimmt, ist in den vergangenen 15 Jahren von 13 auf 36 Prozent gestiegen – allein in den letzten fünf Jahren von 28 auf 36 Prozent (Bevölkerung gesamt). Im Vergleich veränderte sich die Lage in Ostdeutschland von 50 Prozent auf 57 Prozent in den letzten 5 Jahren.
Düstere Zukunftserwartungen und Reformstau
Für die nächsten zehn Jahre erwarten 59 Prozent eine Verschlechterung der ärztlichen Versorgung, während nur 11 Prozent mit einer Verbesserung rechnen. 87 Prozent befürchten steigende Beiträge, 77 Prozent höhere Eigenbeteiligungen und 67 Prozent eine Zunahme der Zwei-Klassen-Medizin. Zwar halten 66 Prozent eine umfassende Reform des Gesundheitssystems für notwendig, doch glaubt nur gut ein Viertel (27 %) daran, dass diese in den kommenden Jahren auch gelingen wird.
Klare Kante bei Finanzierungs- und Strukturvorschlägen
Bei Reformmaßnahmen zeigt die Bevölkerung klare Präferenzen. Hohe Zustimmung erhalten strukturelle Einsparungen wie die Reduzierung der über 90 Krankenkassen (71 % Befürwortung) sowie die Einführung einer einheitlichen Krankenversicherung (64 % Befürwortung). Auch fiskalische Maßnahmen wie höhere Rabatte für Pharmazeutika sowie Steuern auf Tabak, Alkohol und Erfrischungsgetränke werden mehrheitlich befürwortet. Strikte Ablehnung erfahren dagegen Maßnahmen, die Versicherte direkt belasten: Sowohl Beitragssatzerhöhungen als auch Kürzungen beim Zahnersatz stoßen bei jeweils 74 Prozent auf Ablehnung. Ebenso abgelehnt werden die Streichung der anlasslosen Hautkrebsvorsorge (67 %) sowie Kürzungen beim Krankengeld (65 %). Unverändert stark bleibt mit 74 Prozent Zustimmung die Unterstützung für das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung.
Methodik
Für den DAK-Gesundheitsmonitor 2026 befragte das Institut für Demoskopie Allensbach vom 18. bis 30. April 2026 insgesamt 1.015 Personen. Die Stichprobe ist repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 16 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte über mündlich-persönliche Interviews.
Bild von Magnific