Save the Children Report über finanzielle Zukunftssorgen in Deutschland

Jedes 5. Kind in Deutschland ist von Kinderarmut betroffen
Save the Children Deutschland beleuchtet in seiner aktuellen Studie die finanzielle Lage von Eltern und Familien mit Kindern im Alter unter 18 Jahren sowie ihre Einschätzungen zu staatlichen Maßnahmen gegen Kinderarmut in Deutschland.
Finanzielle Zukunftssorgen und gesellschaftliche Unterschiede
Die finanziellen Zukunftssorgen bleiben für viele Familien in Deutschland groß. Mit Blick auf die kommenden 12 Monate machen sich aktuell 27 Prozent der befragten Eltern sehr große oder große Sorgen, dass sie aus finanziellen Gründen die Grundbedürfnisse ihrer Familie wie z. B. Kleidung, Nahrung oder Kosten für Wohnen und Heizen nicht oder nicht mehr ausreichend decken können. 32 Prozent machen sich diesbezüglich weniger große Sorgen und 40 Prozent machen sich keine Sorgen. Besonders hoch ist die finanziell bedingte Sorge in Haushalten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen unter 3.000 Euro (61 %) sowie bei Alleinerziehenden (47 %). Über alle ostdeutschen Bundesländer hinweg liegt der Wert bei 34 Prozent, während es in den westlichen Bundesländern im Durchschnitt 26 Prozent sind.
Lebensstandard, Belastung im Alltag und der Zwang zum Sparen
78 Prozent der befragten Eltern geben an, dass es ihnen aktuell möglich ist, sich auch Dinge zu leisten, die über das Notwendige hinausgehen und zum Familienleben dazugehören, wie z. B. Möbel, Urlaube, Ausflüge, Restaurantbesuche oder Hobbys für die Kinder. Für 21 Prozent ist dies eher nicht oder auf keinen Fall möglich. Betroffen sind vor allem Eltern mit einem Nettoeinkommen unter 3.000 Euro. Hier liegt der Anteil derer, für die das eher nicht oder auf keinen Fall möglich ist, bei 56 Prozent, unter Alleinerziehenden bei 37 Prozent. Zudem mussten knapp die Hälfte der Befragten in den letzten 12 Monaten aus finanziellen Gründen bei Ausgaben für ihr Kind überlegen, zurückstecken oder an anderer Stelle sparen. Konkret betraf dies bei jeweils 22 Prozent Freizeitaktivitäten und Hobbys, z. B. Sportverein, Musikschule oder Schwimmbadbesuch, sowie Feiern und Geschenke, z. B. zum Geburtstag oder zu Weihnachten. 18 Prozent mussten bei Kleidung und Schuhen für ihr Kind sparen, 13 Prozent beim Kauf gesunder und ausgewogener Nahrungsmittel und 10 Prozent bei kleinen Extrawünschen im Alltag, z. B. Eis oder einen Snack.
Bewertung der Politik der Bundesregierung
Die derzeitigen Pläne der Politik stoßen bei der Mehrheit der Eltern auf Skepsis. 83 Prozent der befragten Eltern sind der Ansicht, dass die derzeitigen Pläne der Bundesregierung nicht ausreichen, um Kinderarmut in Deutschland wirksam zu bekämpfen, und sind der Meinung, dass es weitergehende Maßnahmen braucht. Lediglich 12 Prozent halten die aktuellen Pläne für ausreichend.
Wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut aus Sicht der Eltern
Bei den Maßnahmen gegen Kinderarmut priorisieren die Befragten vor allem den Bildungsbereich. So bewerten 94 Prozent höhere Investitionen in Bildung (z. B. Schulen, Ausstattung, Personal) als eher oder sehr wirkungsvoll. Ein kostenloses Schulessen an jeder Schule schätzen 86 Prozent als eher oder sehr wirkungsvoll ein. Darüber hinaus halten 78 Prozent der Eltern mehr kostenlose oder günstige Freizeitangebote für armutsbetroffene Kinder für eher oder sehr wirkungsvoll. Weniger Bürokratie bei Familien- und Sozialleistungen wird von 74 Prozent als eher oder sehr wirkungsvoll erachtet. Schließlich stufen 70 Prozent der Befragten mehr staatliche finanzielle Unterstützung für einkommensschwache Familien als eher oder sehr wirkungsvoll ein.
Methodik
Für die Studie von Save the Children Deutschland wurden vom 13. bis 30. Juli 2026 durch die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Rahmen einer telefonischen Mehrthemenumfrage (forsa.omnitel) insgesamt 1.001 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Eltern von Kindern unter 18 Jahren in Deutschland befragt.
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