Ausbildungsperspektiven 2026

Bertelsmann-Studie zeigt Zwiespalt zwischen hoher Azubi-Zufriedenheit und Abbruchgedanken
Die Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ der Bertelsmann Stiftung beleuchtet die aktuelle Lage junger Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf sowie die Situation der Auszubildenden in Deutschland.
Hohe Wertschätzung, aber Sorge um das gesellschaftliche Image
Die Berufsausbildung genießt unter jungen Menschen einen sehr guten Ruf. 88 Prozent der befragten Jugendlichen sehen in einer Berufsausbildung eine gute Basis für eine berufliche Karriere, und 73 Prozent sind der Ansicht, dass man sich damit später ein gutes Leben leisten kann. Allerdings sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass es in der Gesellschaft an Wertschätzung für die duale Ausbildung fehlt. 32 Prozent der Schülerinnen möchten direkt nach der Schule auf jeden Fall eine Ausbildung oder Lehre beginnen. Besonders hoch ist der Anteil bei Schülerinnen mit Hauptschulabschluss (80 %), gefolgt von Realschulabsolventinnen (56 %). Bei Schülerinnen mit Abitur sind es 14 Prozent.
Studienwunsch, Finanzen und Orientierungsprobleme
Gründe gegen den Einstieg in eine Ausbildung sind vielfältig. Unter den ausbildungsunwilligen oder unentschlossenen Schülerinnen nennen 42 Prozent die zu geringe Vergütung während der Ausbildung als Gegenargument. Von den Gymnasiastinnen, die keine oder wahrscheinlich keine Ausbildung machen wollen, geben 85 Prozent an, lieber studieren zu wollen, da ihr Wunschberuf ein Studium erfordere. 47 Prozent dieser Gruppe spüren zudem einen Erwartungsdruck aus ihrem Umfeld, zu studieren.
Zwar bewertet die Mehrheit das Informationsangebot zur Berufswahl als ausreichend, doch 52 Prozent der befragten Jugendlichen fällt es schwer, sich in der Fülle an Informationen zurechtzufinden. Die wichtigsten Unterstützer*innen im Orientierungsprozess sind die Eltern: 91 Prozent der Befragten stufen deren Hilfestellung als (sehr) wichtig ein. Bei der konkreten Ausbildungsplatzsuche nutzen 80 Prozent der Ausbildungsinteressierten Online-Jobportale, 54 Prozent die Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit, 42 Prozent Stellenausschreibungen in Zeitungen und 31 Prozent Social-Media-Kanäle.
Chancenungleichheit und angespannte Ausbildungsmarktlage
Das Vertrauen in die eigenen Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, nimmt mit sinkendem Schulbildungsniveau ab. Unter den jungen Menschen, die sich zumindest vielleicht für eine Ausbildung interessieren, bereits auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder sich in einer ausbildungsvorbereitenden Maßnahme befinden, sind 62 Prozent mit hohem Schulbildungsniveau ganz oder ziemlich sicher, dass ihre Ausbildungsplatzsuche erfolgreich sein wird. Bei mittlerem Schulbildungsniveau sind es 52 Prozent, bei niedriger Schulbildung 40 Prozent. 38 Prozent der gering qualifizierten Schülerinnen sehen hingegen eher schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz: 29 Prozent sind sich nicht so sicher und 9 Prozent glauben nicht, dass sie (schnell) einen Ausbildungsplatz bekommen werden. Bei mittlerem Schulbildungsniveau sind 36 Prozent unsicher oder glauben nicht, dass es mit einem Ausbildungsplatz klappen wird. Selbst unter den Gymnasiastinnen schätzt jede*r Vierte die eigenen Chancen auf einen Ausbildungsplatz als (eher) schlecht ein.
Chancenungleichheit und angespannte Ausbildungsmarktlage
Bei Reformmaßnahmen zeigt die Bevölkerung klare Präferenzen. Hohe Zustimmung erhalten strukturelle Einsparungen wie die Reduzierung der über 90 Krankenkassen (71 % Befürwortung) sowie die Einführung einer einheitlichen Krankenversicherung (64 % Befürwortung). Auch fiskalische Maßnahmen wie höhere Rabatte für Pharmazeutika sowie Steuern auf Tabak, Alkohol und Erfrischungsgetränke werden mehrheitlich befürwortet. Strikte Ablehnung erfahren dagegen Maßnahmen, die Versicherte direkt belasten: Sowohl Beitragssatzerhöhungen als auch Kürzungen beim Zahnersatz stoßen bei jeweils 74 Prozent auf Ablehnung. Ebenso abgelehnt werden die Streichung der anlasslosen Hautkrebsvorsorge (67 %) sowie Kürzungen beim Krankengeld (65 %). Unverändert stark bleibt mit 74 Prozent Zustimmung die Unterstützung für das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung.
Entscheidungskriterien für Betrieb und Beruf
Bei der Berufswahl steht für Auszubildende vor allem die langfristige Perspektive im Vordergrund: 98 Prozent bewerten eine „sichere Zukunftsperspektive“ als sehr oder eher wichtig. Auch bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs spielen neben einem guten Arbeitsklima (77 %) vor allem praktische und berufliche Perspektiven eine zentrale Rolle. So legen 68 Prozent Wert auf eine gute Erreichbarkeit des Ausbildungsbetriebs, 66 Prozent auf Karriereperspektiven nach der Ausbildung und 59 Prozent auf die Aussicht auf eine Übernahme. Für 58 Prozent ist zudem eine gute Erreichbarkeit der Berufsschule von Bedeutung.
Abbruchgedanken, psychische Belastung und Handlungsbedarf
Trotz der hohen Gesamtzufriedenheit haben 23 Prozent der Auszubildenden schon einmal ernsthaft über einen Ausbildungsabbruch nachgedacht. Dennoch werden beinahe 30 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse frühzeitig und ohne Abschluss beendet (vgl. BMBFSFJ 2026). Als Hauptgrund für Abbruchgedanken nennen 36 Prozent psychische Belastungen durch die Ausbildung, 17 Prozent berichten von Mobbing, Diskriminierung oder Gewalt im Ausbildungsalltag. Gleichzeitig überwiegt der Wunsch nach Problembewältigung: 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ein Abbruch nur der letzte Ausweg sein sollte, wenn sich Probleme nicht anders lösen lassen.
Methodik
Die Datenerhebung für die Untersuchung erfolgte vom 11. März bis zum 20. April 2026 durch icon kids & youth Research International über ein gemischtes Erhebungsdesign aus Online-Befragungen und Face-to-Face-Interviews in Deutschland. Befragt wurden 1.763 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren. Zusätzlich wurden 1.039 Personen zwischen 15 und 25 Jahren befragt, die sich zum Zeitpunkt der Befragung in Ausbildung befanden, sodass die Ergebnisse von insgesamt 1.325 Auszubildenden im Alter von 15 bis 25 Jahren analysiert werden konnten. Die Stichproben wurden jeweils nach verschiedenen Quotenmerkmalen repräsentativ gewichtet. Detailliertere Informationen zur Stichprobe und zur Gewichtung entnehmen Sie bitte dem Studienbericht.
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