Gaming-Communities und Demokratiepotenzial
Studie der Bertelsmann Stiftung
Berlin, der 9. September 2025 – Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung beleuchtet das politische Potenzial und die gesellschaftlichen Herausforderungen von Gaming-Communities in Deutschland.

Gaming als Massenphänomen und digitaler Treffpunkt
Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren nutzen digitale Spiele. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten in der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen, in der laut der Studie der Bertelsmann Stiftung 86 Prozent regelmäßig spielen. Doch Gaming beschränkt sich längst nicht mehr auf das reine Spielen: Vor allem jüngere Menschen vernetzen sich über Plattformen wie Twitch, TikTok, YouTube oder Discord. In diesen digitalen Gemeinschaften diskutieren sie nicht nur über Spielerfahrungen, sondern zunehmend auch über gesellschafts- und kulturpolitische Fragestellungen.
Gesellschaftliches Engagement
Gaming-Enthusiast*innen, also solche, die mehrfach pro Woche spielen, sind überdurchschnittlich politisch aktiv, so die Studie von Bertelsmann. 45 Prozent von ihnen haben in den vergangenen zwölf Monaten an einer Unterschriftensammlung oder Bürgerbeteiligung teilgenommen. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert bei 39 Prozent. Auch bei politischen Kommentaren in sozialen Medien sind sie aktiver, diese machten im vergangenen Jahr 43 Prozent der Gaming-Enthusiast*innen gegenüber 25 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bei der Teilnahme an Demonstrationen zeigte sich ein ähnliches Bild, 27 Prozent der Gaming-Enthusiast*innen gingen auf die Straße, in der Gesamtbevölkerung waren es 14 Prozent.
Vertrauen in Demokratie und Politik
Die Gaming-Enthusiast*innen zeigen ein stärkeres Vertrauen in demokratische Prozesse als der Durchschnitt der Bevölkerung. 65 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass die Demokratie funktioniert. In der Gesamtbevölkerung teilen 55 Prozent diese Ansicht. Auch in Bezug auf die Lösungskompetenz der Politik zeigen sich Unterschiede. 53 Prozent der Gaming-Enthusiast*innen trauen der Politik zu, Herausforderungen zu bewältigen, während es im Gesamtdurchschnitt der Bevölkerung 42 Prozent sind.
Diskriminierung und Anfeindungen
Problematisch bleibt das Thema Mobbing. 38 Prozent der „Gaming-Enthusiast*innen“ berichten, beim Spielen sehr oder eher häufig beleidigt worden zu sein. Besorgniserregend sind zudem antisemitische Einstellungen, so die Verfasser der Studie. 43 Prozent der Enthusiast*innen stimmten der Aussage zu, dass Juden in der Welt zu viel Einfluss hätten. Unter allen Befragten lag dieser Wert bei 26 Prozent.
Einsamkeit unter Spieler*innen
Die Studie zeigt auch eine hohe Anfälligkeit für Vereinsamung. 43 Prozent aller Befragten, also auch Nicht-Gamer*innen, fühlen sich moderat oder stark vereinsamt. Unter den Gaming-Enthusiast*innen liegt dieser Wert bei 58 Prozent.
Methodik
Die Daten für die Studie hat das Institut pollytix strategic research gmbh im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erhoben. Die Datenerhebung erfolgte als Quotenstichprobe über das Online-Panel von Bilendi/Respondi (CAWI: Computer-Assisted Web Interview). Die Online-Befragung stammt aus dem März, teilgenommen haben 6.435 Internetnutzer im Alter von 16 bis 89 Jahren. Etwa zwei Drittel von ihnen gaben an, Games zu spielen.
Weitere Infos hier: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/spielraeume-fuer-demokratie
Bild von Freepik
