31. März 2025

Markt- und Sozialforschung als Job

Mann mit Tablet steht vor einer Wand aus digitalen Medieninhalten und App-Icons

Hinter jeder Umfrage, die zum Beispiel unser Kaufverhalten, unsere politischen Meinungen oder gesellschaftliche Trends erfasst, steckt ein Team aus Spezialist*innen. Sie sorgen dafür, dass Umfragen, Zahlen, Statistiken und Grafiken am Ende nicht nur schön aussehen, sondern tatsächlich etwas aussagen. Doch wer genau arbeitet eigentlich an diesen Studien? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wer alles an der Erstellung von Studien beteiligt ist und warum die einzelnen Berufsbilder so wichtig sind.

Projektleiter*innen: Die Architekt*innen der Studie

Ohne sie geht nichts: Projektleiter*innen sind die zentralen Köpfe hinter jeder Studie. Sie planen den gesamten Ablauf – von der ersten Idee bis zur finalen Auswertung. Wie soll die Fragestellung untersucht werden? Welche Methode passt am besten? Und wie stellt man sicher, dass die Daten am Ende wirklich aussagekräftig sind?

Projektleiter*innen sind die Schnittstelle zwischen Kund*innen, Forschenden und dem Team, das die Daten erhebt. Sie behalten Timings und Budgets im Blick und sorgen dafür, dass die Ergebnisse verständlich und nutzbar aufbereitet werden. Kurz gesagt: Sie haben den Überblick und machen aus einer Fragestellung eine handfeste Studie.

Doch bevor wir tiefer einsteigen, lassen wir diejenigen zu Wort kommen, die täglich in diesem Beruf arbeiten. Eine Projektleiterin teilt Einblicke aus der Praxis:

Welche zentralen Aufgaben gehören zu deinem Berufsalltag?

Ich sorge dafür, dass Projekte hereinkommen und mit zufriedenstellenden Ergebnissen unser Institut verlassen. Unsere Aufträge erhalten wir meist über öffentliche Ausschreibungen. Passt eine Ausschreibung zu uns, entwickle ich mit meinem Team ein überzeugendes Angebot. Nach Gewinn eines Projekts kläre ich in Auftaktgesprächen die Zielsetzung, beteilige mich an der Entwicklung der Erhebungsinstrumente und der Stichprobendefinition. Nach der Datenerhebung werte ich die Ergebnisse mit unseren Analyst*innen aus und erstelle einen anschaulichen Bericht. Auf Wunsch präsentiere ich die Ergebnisse vor Ort und erhalte direktes Feedback.

Was fasziniert dich an deinem Beruf und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch – und als Sozialforscher hat man das Privileg, zu vielen verschiedenen aktuellen Themen Fragen stellen zu dürfen. Diese thematische Vielfalt ist für mich eines der schönsten Dinge in meinem Beruf. Außerdem kann ich über viele unserer Projekte meine Lebensaufgabe bedienen: die Zukunft für uns Menschen nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten. Im Studium hat mich an der Soziologie – und dann später auch an meinem Beruf – fasziniert, dass man menschliches Verhalten mit mathematischen Methoden vorhersagen kann. Mittlerweile weiß ich, dass das nur eingeschränkt funktioniert ;).

Wie tragen deine Erkenntnisse konkret dazu bei, fundierte Entscheidungen in Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft zu ermöglichen?

Wir erhalten den Großteil unserer Aufträge von öffentlichen Institutionen, also Ministerien, Bundes- oder Landesinstitutionen, auch von öffentlichen Forschungsinstituten. Damit arbeiten wir ganz unmittelbar an gesellschaftlichen Entwicklungen mit. Wir geben Hinweise darauf, welche Entwicklungspfade aus Sicht unterschiedlicher Teile der Bevölkerung sinnvoll wären. Oder wir begleiten Pilotprojekte und liefern Informationen dazu, wie gut diese funktioniert haben und wo etwas verbessert werden müsste. Auch Akzeptanzforschung, zum Beispiel bei der Planung großer Infrastrukturen, ist ein Thema, das uns ein Herzensanliegen ist.

Feldmanager*innen: Die Organisator*innen der Datenerhebung

Was bringt die beste Planung, wenn die Datenerhebung nicht reibungslos läuft? Genau hier kommen Feldmanager*innen ins Spiel. Sie organisieren alles rund um die Durchführung von Umfragen, Interviews oder Fokusgruppen. Sie koordinieren Interviewer*innen, sorgen für die Rekrutierung der richtigen Teilnehmer*innen und achten darauf, dass die Erhebung nach wissenschaftlichen Standards abläuft.
Ihre Arbeit ist oft eine logistische Herausforderung:

 

  • Wie erreicht man eine repräsentative Stichprobe?
  • Welche Kanäle sind am besten für die Befragung geeignet?
  • Wie stellt man sicher, dass Teilnehmer*innen wirklich engagiert mitmachen?

 

Ohne Feldmanager*innen gäbe es keine zuverlässigen Daten – und ohne zuverlässige Daten keine aussagekräftigen Studien.

Auch hier haben wir einen O-Ton eingefangen:

Welche zentralen Aufgaben gehören zu deinem Berufsalltag?

In der Theorie? Ich bin die unsichtbare Hand hinter unseren Umfragen. Während unsere Interviewenden unterwegs sind, sorge ich im Hintergrund dafür, dass alle Routen optimal geplant, Ergebnisse sauber ausgewertet und die richtigen Erkenntnisse an unsere Kunden weitergegeben werden.
In der Praxis? Mein Alltag gleicht dem eines Fluglotsen: Ich behalte den Überblick, sorge für reibungslose Abläufe und verhindere diverse Kollisionen – egal, wie viele unerwartete Turbulenzen auftreten.

Was fasziniert dich an deinem Beruf und wie bist du dazu gekommen?

Mich begeistert die ideale Kombination aus Struktur, Kommunikation und Analyse. Ich liebe es, wenn Abläufe reibungslos funktionieren – und falls nicht, habe ich immer Plan B und C parat. Perfekte Voraussetzungen für diese Aufgabe. Meine ersten Berührungspunkte hatte ich bereits während meines Nebenjobs im Einzelhandel während des Studiums. Heute bin ich diejenige, die alles koordiniert, den Überblick behält und sich freut, wenn am Ende alles sauber in Statistiken zusammenläuft. Besonders spannend ist die Abwechslung: Kein Tag und kein Projekt gleichen dem anderen, es gibt ständig neue Themen, Herausforderungen und unerwartete Erkenntnisse. Langweilig wird es garantiert nie!

Wie tragen deine Erkenntnisse konkret dazu bei, fundierte Entscheidungen in Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft zu ermöglichen?

Meine Arbeit liefert die Grundlage für fundierte Entscheidungen, indem sie objektive Daten zu Servicequalität, Kundenerfahrungen und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben liefert. Damit hilft sie, blinde Flecken aufzudecken und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen – statt nur auf Vermutungen zu setzen.

Fragebogenentwickler*innen: Expert*innen in allen Fragen

Der Erfolg einer Studie steht und fällt auch mit der Qualität des Fragebogens. Fragebogenentwickler*innen sind dafür verantwortlich, dass die richtigen Fragen gestellt werden – präzise, verständlich und ohne Suggestion. Sie berücksichtigen die für die Fragestellung richtigen Antwortformate, prüfen die Reihenfolgen der Fragen und entwickeln eindeutige Formulierungen, um verlässliche und aussagekräftige Daten zu erhalten.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen möchte herausfinden, warum Kund*innen ihre Abonnements kündigen. Fragebogenentwickler*innen entwerfen Fragen, die nicht nur die Gründe abfragen, sondern auch Zusammenhänge und mögliche Verbesserungen aufdecken.

Datenanalyst*innen: Die Zahlen-Entschlüssler*innen

Daten sind das Herzstück jeder Studie – aber erst durch die Arbeit von Datenanalyst*innen werden sie wirklich wertvoll. Sie nehmen sich die gesammelten Zahlen vor, bereinigen sie von Fehlern und suchen nach Mustern und Zusammenhängen. Dabei nutzen sie Statistikprogramme, Algorithmen und oft auch künstliche Intelligenz, um komplexe Daten verständlich aufzubereiten.

Ihre Analysen helfen, Hypothesen zu überprüfen und aus den Ergebnissen echte Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei arbeiten sie eng mit den Projektleiter*innen zusammen, um sicherzustellen, dass die Daten korrekt interpretiert werden.

Ein Beispiel: Ein Einzelhändler möchte wissen, warum bestimmte Filialen besser laufen als andere. Die Datenanalyst*innen untersuchen zum Beispiel Verkaufszahlen, Ergebnisse von Kundenbefragungen und externe Faktoren wie Wetter oder Standortbedingungen, um herauszufinden, welche Muster sich erkennen lassen – und wie sich daraus Handlungsempfehlungen ableiten lassen.

Datenvisualisierer*innen: Die Gestalter*innen der Erkenntnisse

Interviewer*innen: Die Stimme der Befragung

Interviewer*innen führen Befragungen durch – sei es telefonisch oder persönlich. Sie müssen Antworten objektiv und neutral erfassen, damit die Studien verlässliche Ergebnisse liefern. Außerdem sollten sie eine gewisse Überzeugungskraft und Empathie besitzen, um möglichst viele Menschen zu einer Teilnahme zu bewegen. Denn auch das ist eine Voraussetzung für eine hochwertige Stichprobe. Freude am Umgang mit Menschen und eine gewisse Neugier sind deshalb Grundeigenschaften guter Interviewer*innen. Die Kenntnisse für den Job werden zu Beginn in einer unternehmensinternen Schulung vermittelt. Eine Ausbildung oder ein Studium benötigt man dafür nicht. Deshalb ist das ein idealer Nebenjob.

Ein Beispiel: Für eine Sozialstudie müssen Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen befragt werden. Interviewer*innen sprechen mit ihnen, stellen die Fragen und dokumentieren die Antworten, damit diese statistisch ausgewertet werden können

Wie wird man Markt- und Sozialforscher*in?

Wer in diesen Berufsfeldern arbeiten möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Ein Studium in Sozialwissenschaften, Psychologie, Betriebswirtschaft oder Statistik bildet eine solide Grundlage. Auch spezialisierte Studiengänge wie Wirtschafts- oder Medienforschung bieten einen Einstieg. Zudem sind Quereinsteiger*innen mit analytischem Verständnis und Erfahrung in Datenanalyse oder Projektmanagement gefragt.

Eine weitere Möglichkeit ist die Ausbildung zur/zum Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung (FAMS). Diese dreijährige duale Ausbildung kombiniert Theorie und Praxis und vermittelt fundierte Kenntnisse über Methoden der Datenerhebung, statistische Analysen und Projektmanagement in der Marktforschung.

Arbeitgeber*innen und Karrierechancen

Es gibt viele spannende Beschäftigungsmöglichkeiten, in denen Markt- und Sozialforscher*innen arbeiten können: in Markt-, Sozial- oder Meinungsforschungsinstituten, Unternehmensberatungen, Medienhäusern, bei der amtlichen Statistik oder in der akademischen Forschung. Auch große Unternehmen haben eigene Abteilungen für Marktforschung, um strategische Entscheidungen auf fundierte Daten zu stützen.

Neugierig geworden? Auf der Website von marktforschung.de gibt es weitere Informationen zu Karrierewegen und Fortbildungsmöglichkeiten in der Branche.